Im Interview bei P4F

Diese Woche sind viele neue Menschen mit dabei. Herzlich willkommen und schön, dass ihr jetzt dabei seid. Im Februar war ich zu Gast bei den Parents For Future und durfte die Klimadialoge vorstellen. Jörg Weißenborn von den Parents for Future hat das Interview geführt.

Die Klimadialoge, wie kam es dazu?

Auslöser war ein Partygespräch. Dort diskutierte eine Gruppe netter Menschen über E-Autos. Schnell zeigte sich, sie sind an Klimaschutz interessiert und auch motiviert. Sie diskutierten sachlich und konstruktiv, leider jedoch auf Basis völlig falscher, mindestens aber veralteter Fakten und Annahmen. Dies war die Geburtsstunde der Klimadialoge.

Wenn interessierte Menschen über Klima diskutieren, dann sollen die notwendigen Fakten und Quellen auch schnell zur Hand sein. Das ist bis heute die Idee der Klimadialoge.

Wie darf ich mir das vorstellen?

Ganz klassisch – manche sagen altmodisch – als Blog im Internet. Zu jedem Klimathema gibt es einen Übersichtstext. Von E-Autos über Windräder und Batterien bis hin zur Dunkelflaute oder Atomkraft.  Fokussiert, lösungsorientiert und unterhaltsam.

Auf deiner Webseite steht „partytauglich“.

Ja, Klimaschutz darf auch Spaß machen. Humor ist legal. Zugegeben, das Attribut partytauglich setzt einen gewissen Nerdlevel der Party voraus, doch die Klimadialoge können nicht nur informieren sondern auch unterhalten. Schließlich bietet der Klimawandel alle Elemente eines Dan Brown Action Thrillers.

Schon 1856 hat Frau Eunice Newton den Treibhauseffekt im Labor nachgewiesen. Mit dem Club of Rome wurden 1972 die Grenzen des Wachstums allgemein bekannt. Das ruft in den 1980ern dunkle Mächte der Öl-Lobby auf den Plan, die ihre alte Welt der fossilen Brennstoffe und Milliardengewinne schützen wollen. Mit windigen Methoden und massiven Desinformationen wird die Klimaforschung seitdem diskreditiert, sowie Klimaschützer drangsaliert und bedroht, bevor 2018 eine neue Hoffnung entsteht, angestoßen von einem jungen Mädchen mit nicht mehr als einem einfachen Pappschild und Beharrlichkeit als magische Waffen.

 

All das findet man auf Klimadialoge.de?

In der Tat. Die Seite umfasst mehr als nur Windräder und PV. Auch die Geschichte der Klimaforschung findet sich dort. Ebenso greife ich die Hintergründe der Klimaleugner auf und beschreibe Tipps und Strategien mit Klimaskeptikern umzugehen. Auch ein Blick in unsere klimaneutrale Zukunft ist mit dabei – Fluxkompensator inklusive. Der wichtigste Teil bleibt jedoch die Sammlung der Lösungen, mit denen wir heute handeln und die Erderwärmung stoppen.

Wie überzeugt man Klimaleugner?

Meistens gar nicht. Das ist auch nicht das Ziel. Echte Klimaleugner wollen ja nicht überzeugt werden, sondern bewusst falsche Informationen verbreiten. Dafür investiert die Fossile Lobby seit mehr als vierzig Jahren Milliardenbeträge. Gerade auf Social Media sind die Klimaleugner weit verbreitet und sehr laut.

Da lohnt sich auch keine Sachdiskussion, denn das Ziel der Leugner ist ja nicht der Erkenntnisgewinn. Mittlerweile verweise ich Klimaleugner nur noch auf die Texte der Klimadialoge. Im FAQ-Bereich sind die typischen Behauptungen gesammelt und widerlegt bzw. erklärt.

Lesen die Leugner das denn?

Selten, doch man schreibt immer auch für die, die mitlesen. Neben den „hauptberuflichen“ Klimaleugnern gibt es viele, die sind interessiert, aber verunsichert. Für diese sind klare Antworten wichtig.

Sind wir mal ehrlich, so ist Klimawandel komplex und schwer vorstellbar. Selbst engagierte Klimaaktivist:innen tun sich schwer, die Ursachen des Klimawandels detailliert zu erklären und die IPCC-Reports sind für die meisten Menschen komplett unverständlich. Da hilft es, Informationen und Zusammenhänge einfacher zugänglich zu machen. Die Klimadialoge starten mit den Grundlagen und alle Quellen sind direkt verlinkt.

Es gibt auch einen Text für Skeptiker, die die Nachweise für den Klimawandel genauer verstehen wollen. Letztendlich landet man immer beim Motiv.

Jetzt sind wir wieder beim Action Krimi?

So in etwa. Der Klimawandel ist komplex und niemand von uns kann alle Studien selbst überprüfen. Am Ende stellt sich bei allen Informationen auch die Frage nach dem Motiv. Es gibt viele schlechte Gründe, den Klimawandel zu leugnen. Für das Öl-Imperium bricht durch erneuerbare Energien das Geschäftsmodell weg. Da kann ich mir vorstellen, warum die mit sehr viel Geld und Kraft alles tun, um die Folgen fossiler Brennstoffe zu verharmlosen. Ähnliches hat man schon bei der Tabak-Industrie erlebt. Doch wer hätte ein Motiv, einen Klimawandel zu erfinden?

Kritiker sagen, der Klimawandel wäre nur ein Geschäftsmodell.

Ja selbstverständlich verdient man mit Klimawandel auch Geld. Windräder, PV-Anlagen, Elektroautos verschenkt keiner aus Nächstenliebe. Doch was soll das beweisen? Sehr viel mehr Geld verdient zum Beispiel die fossile Industrie, mehr als 3 Mrd. US$ Gewinn – pro Tag.

Auch zeitlich betrachtet ergibt das keinen Sinn. Der Klimawandel ist seit den 1980ern bekannt, doch erst heute wird damit Geld verdient. Wie genau funktioniert dieses ominöse Geschäftsmodell? Ich erfinde einen Klimawandel, produziere dafür jahrzehntelang konsistent gefälschte Forschungsdaten, nur um Jahrzehnte später ein paar Windräder und PV-Anlagen zu verkaufen? Ach ja, und ganz nebenbei mache ich mir dafür die gesamte Öl-, Kohle- und Gas-Industrie zum Feind und damit nicht nur die mächtigsten Firmen der Welt, sondern auch ein paar militärisch sehr gut ausgerüstete Staaten? Brillante Idee – genau so wird es gewesen sein, oder?

Warum also sprechen all die Wissenschaftler und Institute seit mehr als 30 Jahren so vehement vom Klimawandel?  Die sehr einfache Erklärung lautet: Der Klimawandel ist real und er ist jetzt. Je schneller wir handeln, umso schöner wird unsere Zukunft und billiger als nichts tun wird es obendrein.

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