Speicherkosten

Stromspeicher sind zu teuer“, hört man immer wieder. Welch erstaunliche Aussage, denn die meisten Solaranlagen werden heute zusammen mit einem Speicher verkauft. Können die Häuslebauer alle nicht rechnen? Tatsächlich sind die Preise für Stromspeicher in den letzten 10 Jahren drastisch gesunken und kosten heute nur noch ein Zehntel.

Die Kombination PV-Strom plus Speicher ist heute die günstigste Stromquelle überhaupt und kann über weite Teile des Jahres dauerhaft Strom liefern.  Kalifornien und Australien haben dies verstanden und in den letzten Jahren ihre Stromversorgung konsequent umgebaut. Tagsüber liefern üppig dimensionierte PV-Anlagen Überschüsse, die in Batterien gespeichert werden. In den Abendstunden verdrängt der günstige Batteriestrom die fossilen Energieträger und dämpft so den Strompreis.  Nun sind Kalifornien und Australien reichlich mit Sonne beschenkt. Doch auch in Deutschland liefern PV-Anlagen regelmäßig Überschüsse, vor allem im Süden Deutschlands.

Entsprechend sind Stromspeicher auch in Deutschland ein begehrtes Geschäftsmodell. Tatsächlich stapeln sich bei den Netzbetreibern die Netzanschluss-Anfragen für Batteriespeicher. Mehr als 500 Gigawatt sind angefragt, doch die Genehmigungsprozesse sind träge, wie Teenager am Samstag Vormittag.  Zwar stehen nicht allen Anfragen konkrete Projekte gegenüber. Viele sind Dopplungen oder unverbindliche Vorprüfungen. Dennoch zeigt es das große Interesse der Investoren.

Dabei entstehen Batteriespeicher ohne Fördergelder. Sie finanzieren sich über die Preisschwankungen am Markt. An sonnigen Tagen ist der Strom mittags extrem billig, teilweise sind die Preise sogar negativ und man bekommt noch Geld dafür, wenn man ihn abnimmt. Dies ist die ideale Zeit, Speicher aufzuladen. In den Abendstunden dann, wenn die Sonne versinkt, schießen die Preise in die Höhe und die geladenen Speicher profitieren von dieser Schwankung. Dadurch dämpfen Stromspeicher genau diese Preissprünge, was die Kosten für alle Verbraucher besser planbar macht.

Speichergröße

Heute schon liefern die Erneuerbaren Energien im Sommer 70% unseres Stroms. Doch selbst an den heißesten Tagen scheint nachts keine Sonne. Bisher müssen dann fossile Kraftwerke einspringen und den restlichen Strombedarf für diesen Tag bzw. die Nacht produzieren, während tagsüber Sonnenpotential ungenutzt bleibt. Das ist schade denn Stromspeicher könnten heute viele Sommernächte vollständig überbrücken.

An 250 Tagen im Jahr 2025 produzierten fossile Energien weniger als 500 GWh. Mit Ausbau von Wind und Solar, sowie Speichern in diesem Umfang können wir unseren Strommix an diesen Tagen vollständig erneuerbar machen und die Kraftwerke bleiben kalt.

Dabei geht es ausschließlich um kurzfristige Speicherung und den Ausgleich von Strombedarf im Tagesverlauf. Vereinfacht werden diese Speicher tagsüber mit Sonnenstrom aufgeladen und überbrücken dann die dunkle Nacht, bis am nächsten Tag wieder die Sonne aufgeht.  Für längere Dunkelflauten kommen andere Techniken zum Einsatz.

Kosten

Aktuelle Batteriespeicher gibt es bereits für 125 US$/kWh (gesamte Projektkosten). Unsere 500 GWh Batteriespeicher kosten somit rund 55 Mrd €. Das klingt viel?  Umgerechnet auf die Lebenszeit des Akkus sind es gerade mal 5,7 ct pro Kilowattstunde Speicherstrom.  Auch strecken sich die Investitionen über mehrere Jahre, in dieser Zeit werden die Preise weiter fallen. Baut man die Speicher direkt zu den PV-Anlagen oder Windparks, spart man sich zusätzlich Netzanschlusskosten und reduziert so den Gesamtaufwand nochmals. Gleichzeitig sparen wir durch die Speicher große Mengen Erdgas und Braunkohle, zwei sehr teure Energieträger.

Das genaue Speichervolumen darf diesmal der Markt regeln. Aktuell kann jeder neue Speicher täglich Geld verdienen. Bereits 80 GWh  an Speicher (Kostenpunkt knapp 9 Mrd €) würden 3,9 Mrd. € sparen – pro Jahr.  Je mehr Speicher wir bauen, umso mehr Tage können wir komplett mit Erneuerbarem Strom füllen. Gleichzeitig bleiben weitere Speicher dann öfter ungenutzt und die Investitionen verlangsamen sich.

Fazit

Noch sind Windkraft und PV im Aufbau und nicht jeden Tag gibt es bereits ausreichend Überschüsse. Doch mit jedem Windrad und jeder PV-Anlage verbessert sich diese Bilanz. Selbst ohne Überschüsse helfen Speicher, das wetterfühlige Stromangebot zu glätten und ungewollte Schwankungen auszugleichen. Batteriespeicher können in Millisekunden reagieren und das Netz stabil halten. Je schneller wir die Speicher ans Netz bringen, umso früher sparen wir Geld.

Den Aktuellen Stand zeigen die battery-charts. Heute haben wir bereits knapp 30 GWh Speicher installiert. Die liegen jedoch überwiegend in privaten Kellern, wo sie kaum ins Netz eingebunden werden. Zusätzlich fahren 133 GWh auf unseren Straßen. Durch die neuen Vehicle2Grid-Tarife können wir auch dieses Potential nutzbar machen. Nochmal 30 GWh an Großspeichern sind bereits projektiert. Jeder weitere Speicher hilft dabei, fossile Kraftwerke öfter abzuschalten und so Geld zu sparen. Jeder weitere Großspeicher stabilisiert unsere Netze und senkt die Strompreise. Vielleicht sind wir mit der Energiewende schon weiter als gedacht.

Nachtrag

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