
Die Energiewende ist ein riesiges Projekt. Windräder, PV-Anlagen, Batteriespeicher, Elektroautos, Wärmepumpen, Elektrolyseure, Stromtrassen, Umspannwerke und Vieles mehr müssen gebaut werden. „Wie soll das gehen, wo soll all das Lithium herkommen?“ So meckern die üblichen Klimaleugner. Angestachelt werden sie von Desinformationen einer Öl-Industrie, die ihr Geschäftsmodell schwinden sieht und jetzt in fossile Panik verfällt.
Um es vorweg zu nehmen: Ja, Rohstoffe sind ein Thema. Geht es um den Abbau begehrter Ressourcen, sind wir oft rücksichtslos gegenüber Mensch und Natur. Da müssen wir wachsam sein, denn selbst größte Unfälle und Umweltschäden werden viel zu oft in Kauf genommen.

(Wakashio 2007, Quelle Wikipedia)

(Deepwater Horizon 2010, Quelle Wikipedia)

(Ölpest vor Brasilien 2019, Quelle Wikipedia)
Wir erinnern uns an Deepwater Horizon, Exxon Valdez, Princess Empress und viele andere. Das ist natürlich billige Stimmungsmache und es gibt ebenso erschreckende Bilder von Kobalt-Minen in Afrika. Diese werden von Klimaleugnern nur allzu gern geteilt. Darunter schreiben sie dann „Von hier kommen die Rohstoffe für dein E-Auto“. Dies schreiben sie auf einem Gerät, das ebenso Kobalt, Lithium und vieles mehr enthält, wie das angeklagte E-Auto.
Abbau von Rohstoffen ist ein Thema. Gerne können wir diskutieren, welche Schattenseiten der Abbau bringt und welche besseren Rahmenbedingungen wir brauchen für Mensch und Natur. Dabei dann bitte alle Bereiche und Anwendungsfälle gleichermaßen ins Kalkül ziehen. Ausbeutung entsteht nicht durch die Energiewende sondern die Ausbeutung hat Tradition, die wir dringend ändern müssen. Das gilt dann auch für die Primark-Jeans, Fernseher, Blumenerde aus Torf, meine Tasse Kaffee und vieles mehr.
Der Mensch macht sich auf der Erde breit und schwer. Die Masse der menschengemachten Objekte übersteigt mittlerweile die Lebendmasse auf dem Planeten. Wer schon mal bei einem Umzug mitgeholfen hat, spürt das. Auch dort gibt es mehr tote Kisten zu tragen als lebendige Helfer vor Ort sind.

(Quelle VisualCapitalist.com)
Wir tun gut daran, weniger zu bauen, vor allem aus Beton. Die Fundamente von Windkraftanlagen sind dabei nicht das Problem, die sind überraschend klein und im Bild blau eingefärbt (ungeprüfte KI-Recherche). Mit dem Beton eines einzigen Wolkenkratzers kann man viele Windräder verankern. Der Materialverbrauch von uns Menschen ist gigantisch und größer als alles, was die Natur geschaffen hat. Wer jedoch denkt, das ist Rekord, mehr geht nicht, schaut nochmal. Unsere bisherigen Emissionen kumuliert wiegen mehr als alle Lebewesen und all unser produzierter Kram gemeinsam.

(Quelle Daten theclimatebrink.com, Visualisierung nach Zeke Hausfather)
Jedes Jahr holen wir riesige Mengen Rohstoffe aus der Erde. Jede einzelne Mine ist ein Eingriff in die Natur und darf kritisch betrachtet werden. Wer sich jedoch ausgerechnet bei Nachbars E-Auto über Ressourcenverbrauch und Lithium echauffiert, während er regelmäßig zum Urlaub auf die Malediven fliegt, der misst mit zweierlei Maß. Ein Blick auf die Größenverhältnisse:

(Quelle weforum.org)
Das sind alle Metalle, die wir 2021 abgebaut haben. Dieses Material steckt in Windrädern, E-Autos und PV-Zellen ebenso wie in Stromleitungen, Laptops, Öltimern, Frachtschiffen, Flugzeugen, Zügen, Schienen, Fundamenten, Hochhäusern und vielen Dingen mehr. Dort steckt es nützlich über viele Jahrzehnte. Am Ende lässt es sich meist recyclen und nochmal verwenden. Dem gegenüber stehen Öl, Kohle und Gas, die wir jedes Jahr fördern. Etwa 20% des Öls gehen in die Chemische Industrie und werden dort zu Produkten verarbeitet (Beispielsweise Plastik, das unsere Meere verstopft). Der Rest wird noch im gleichen Jahr verbrannt und lebt fortan als Treibhausgas in unserer Luft.

(Quelle visualcapitalist.com und weforum.org. Beide Bilder maßstabsgetreu zusammengefügt.)
Was war nochmal das Problem, Lithium und Kobalt? Lithium kommt in der nächsten Batteriegeneration gar nicht mehr vor, sondern wird gerade bei E-Autos durch Natrium ersetzt. Wie gesagt bringt jeder Rohstoff Probleme mit sich. Ob die Diskussionen darum immer im richtigen Verhältnis stehen, ist zu bezweifeln. Auch seltene Erden sind weniger problematisch als Social Media und fossile Ideologen gerne erzählen. Zwar laufen große Teile der Produktion hier über China, doch das gilt für viele Produkte. Sind Windrad oder E-Auto erst einmal gebaut, funktionieren sie für Jahre zuverlässig ohne große Abhängigkeit. Wie lang klappt das mit einem Öltimer?
Der wichtigste Engpass der Energiewende liegt bei einem anderen Material, dem Kupfer. Stromleitungen, Elektromotoren, Generatoren, Umspannwerke. Sie alle brauchen große Mengen Kupfer und die aktuellen weltweiten Fördervolumen werden hierfür nicht ausreichen. Hier kann es bei einer schnellen Energiewende – und die brauchen wir – zu Engpässen kommen.
Umso wichtiger ist ein umfassendes Recycling. Die nötigen Metalle lassen sich in vielen Fällen gut recyclen. Doch dafür müssen alte Produkte auch in den Kreislauf zurückgeführt werden. Wie viele Handys, Akkus, Ladegeräte, Elektroschrott hast Du noch in irgendeiner Schublade? Bring sie zum Recycling. Es ist nur ein kleiner Schritt, doch auch dieser hilft der Energiewende. Anschließend genieße deine Tasse Kaffee, hoffentlich aus fair Trade.
Was wisst ihr über Rohstoffe? Welche wichtigen Punkte fehlen noch? Die Kommentarspalte wartet auf euch.
Danke. Aber die heutige Zeit hat viele Begriffe, die ein alter Mann mühsam verstehen lernen muss.
Der Begriff „Öltimer“: Steht das sarkastisch für Oldtimer oder gibt es den Begriff wirklich?
Bitte kläre einen uralten Mann auf. Danke.
Sprache ist, was wir draus machen. Sobald wir den Begriff verwenden, existiert er auch. 🙂
Auf Social Media taucht er mittlerweile öfter auf: Wenn es Hubraum hat, ist es ein Öltimer und gehört nicht mehr auf die Straße sondern ins Museum.
In meinen Texten taucht er erstmals bei der Primärenergie auf. https://klimadialoge.de/primaerenergie/
Danke.
Die heutige Welt hat eine Vielzahl von neuen Begriffen, die mühsam erarbeitet werden müssen. Deshalb ist es gut eine Nachfrage starten zu können.