
Haben wir keine anderen Probleme außer Klimaschutz? Doch, haben wir. Auf dem Weg zum Weltfrieden liegen noch weitere Aufgaben vor uns. Damit Klimaschutz weltweit erfolgreich wird, müssen wir den Blick weiter fassen. Wer täglich Hunger leidet kümmert sich zu Recht nur bedingt um Klimaschutz. Dies bitte nicht als Fingerpointing missverstehen. Arme Menschen verursachen bereits die geringsten Emissionen. Zu oft wird behauptet, 8,3 Mrd Menschen wären zu viel für die Erde. Doch Emissionen sind ungleich verteilt. Das reichste Zehntel verursacht die Hälfte aller Emissionen. Die Welt kann durchaus 8,3 Mrd Menschen nachhaltig ernähren. Schwierig wird es, wenn Menschen auf einen eigenen Privatjet bestehen.

(Quelle Oekom.de, ausführlich bei oxfamfrance.org)
Zurück zum Thema. Klimaschutz ist Teil einer größeren Aufgabe. Im September 2015, wenige Wochen vor dem Pariser Klimaabkommen, beschlossen die Vereinten Nationen einstimmig die Agenda 2030. Im Kern dieser Agenda stehen die Sustainable Development Goals SDG. Das sind 17 Ziele zur Nachhaltigkeit. Diese gehen über Klimaschutz hinaus und bringen uns hoffentlich ein Stück in Richtung Weltfrieden, mindestens aber in Richtung zufriedeneres Leben.

Die 17 Ziele unterteilen sich jeweils in konkretere Unterziele (Targets) und Indikatoren zur Messung der Fortschritte.
Die Sustainable Development Goals decken alle essentiellen Lebensbereiche ab. Die ersten Ziele fokussieren auf die Grundbedürfnisse des Einzelnen. Lebensunterhalt, genug zu Essen, Gesundheit, Bildung, Gleichberechtigung der Geschlechter sowie sauberes Wasser und nutzbare sanitäre Anlagen. Damit sind nicht etwa die Schultoiletten in Deutschland gemeint, sondern überhaupt Zugang zu einer Latrine, vielleicht auch nur zu einer Plastiktüte zur Entsorgung der Notdurft ohne Gesundheitsrisiko.
In der zweiten Reihe geht es um das Zusammenleben als Gemeinschaft. Saubere Energie, würdige Arbeit, Wirtschaftswachstum in nachhaltiger(!) Form, notwendige Infrastruktur, nachhaltige Stadtentwicklung und insgesamt nachhaltiger Konsum und Produktion sowie gleichere Verteilung von Ressourcen und Vermögen. Ein friedliches und gerechtes Miteinander entsteht nicht, wenn Ungleichheiten zunehmen und sich 2% der Reichen und Superreichen die Hälfte des weltweiten Vermögens einverleiben. Immer wenn Jeff Bezos, William Shatner, Kate Perry und andere nur zum Spaß ins All fliegen, dann verblasen sie in 11 Minuten mehr CO2 als jede deutsche Mittelstandsfamilie pro Jahr oder sehr arme Menschen im ganzen Leben. (Die Rakete selber fliegt zwar emissionsfrei mit Wasserstoff, doch der muss auch irgendwo herkommen und wächst nicht auf Bäumen.)
In der dritten Zeile steht dann auch der Klimaschutz, verbunden mit Biodiversität und Leben im Meer und an Land. Stadtkinder mag es überraschen, doch unser Essen entsteht nicht im Supermarkt und Kühe sind nicht lila. Eine funktionierende Landwirtschaft braucht gesunden Boden mit zahlreichen Mikroorganismen. Obst entsteht nicht ohne Bestäubung durch Insekten. Fische gibt es nicht ohne Korallenriffe an der Basis der Nahrungskette. Alt, bekannt und immer noch wahr: Die Natur braucht uns nicht, aber wir brauchen die Natur.
Abgeschlossen wird die Liste mit den Zielen Frieden, Gerechtigkeit, wirksame Institutionen und Partnerschaften. Frieden wird durch die SDG nicht nur erleichtert, er ist umgekehrt auch Voraussetzung, damit sich die anderen Ziele erreichen lassen. In Kriegszeiten fällt es schwer, auf Umwelt, Klima und Natur zu achten. Auch gibt es immer irgendwo eine Kampforange, die anderen das Leben vermiest. Es braucht rechtstaatliche wirksame Institutionen, die diesen Egomanen Einhalt gebieten. Ebenso kann kein Land für sich alleine die Nachhaltigkeitsziele erreichen. Unsere Gesellschaft agiert global. Die Welt ist ein Dorf und gerechtes, nachhaltiges Zusammenleben in Frieden gelingt nur gemeinsam.
Auch mein Kaffee wächst nicht auf meinem Balkon, sondern muss auf Plantagen angebaut, gepflückt, verarbeitet und transportiert werden. Er ist das Ergebnis einer weltweiten Zusammenarbeit, hoffentlich fair gehandelt mit menschenwürdiger Arbeit und nachhaltigem Umgang mit der Natur. Der Gewinn für dieses tolle Getränk landet hoffentlich bei den Arbeitern statt in den Taschen weniger Multimillionäre die dank überzogener Renditen in Privatjets nur Kopi Luwak schlürfen.
Klimaschutz ist nicht die einzige Aufgabe. Doch sie ist wichtig und dringend. Gleichzeitig zahlt wirksamer Klimaschutz auf viele der Nachhaltigkeitsziele ein. Ernährung, Gesundheit, Wasser, Energie, Innovation, Nachhaltige Städte und Konsum, Leben an Land sowie im Meer und noch mehr profitieren ebenfalls von gutem Klimaschutz. Es bleibt eine große Aufgabe, also lasst uns gleich anfangen.
Nachtrag
- 17 Nachhaltigkeitsziele im Überblick
- 17ziele.de – mit TU DU’s zum Selbermachen
- SDG inklusive Targets und Indikators (englisch)
- Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung
- Zu jedem Ziel gibt es natürlich Unterziele und Indikatoren sowie jede Menge Statistik und Auswertungen.