
Das Grundkonzept der Energiewende ist heute weit bekannt und schnell erzählt. Wind und Sonne liefern Energie im Überfluss. Photovoltaik und Windkraftanlagen machen daraus Strom. Diese beiden Hauptpfeiler ergänzen sich im Jahresverlauf ausgezeichnet. Biomasse und Wasserkraft ergänzen den Mix.

Kurzfristige Schwankungen gleichen wir durch Speicher aus und schon bald könnten Batterien eine laue Sommernacht komplett überbrücken. Für seltene längere Dunkelflauten helfen preiswerte Backupkraftwerke. Erneuerbare Energien sparen uns heute schon Milliarden an Stromkosten, während wir jedes Jahr 80 Mrd € für Öl, Kohle und Gas verbrennen.
Ja, und?
So weit die Idee. Doch wie setzt sich das konkret um? Wo sind die besten Standorte für die nächsten Windräder? Wie viel Batteriespeicher brauche ich vor Ort? Welchen Ertrag liefert eine PV-Anlage in meiner Stadt? Welche PV-Ausrichtung ergänzt den Strombedarf am besten? Kann ich meine Kommune rund ums Jahr mit Erneuerbaren versorgen? Wie spielt das Wetter dabei mit? Wann brauche ich zusätzliche Importe aus Nachbarkommunen oder -ländern?
Diese Fragen und noch viel mehr ergeben sich, sobald man tiefer einsteigt und von der Idee zum Plan zur Umsetzung geht. Für genau diese Fragen gibt es jetzt ein neues Planungstool. Für die Umsetzung der Energiewende müssen viele einzelne Anlagen gebaut werden. Es entscheidet nicht nur der Stromverbrauch insgesamt, sondern auch die Verteilung kommunal und regional. Alle Anlagen müssen dabei zusammen arbeiten und aufeinander abgestimmt werden.
BEE Energiewenderechner
Matthias Stark ist Ingenieur und seit 2020 Leiter für Erneuerbare Energiesysteme beim Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE). Mit seinem Team und zahlreichen Unterstützern hat er in den letzten Monaten den BEE Energiewenderechner entwickelt. Diese Woche wurde die Software öffentlich vorgestellt.
Der BEE Energiewenderechner (nicht verwechseln mit anderen Produkten gleichen Namens!) modelliert unser Stromsystem auf Landkreisebene. Daten vorhandener Anlagen werden aus dem Markstammdatenregister eingespielt und bereinigt. Hinzu kommen vollständige stündliche Wetterdaten aus acht Jahren. Mit dieser Datenbasis können zusätzliche Komponenten ebenso geplant werden wie Repowering bestehender Anlagen, bis hin zur konkreten Nabenhöhe und Gondeltyp des nächsten Windrads. Auch Planung und Ausbau der Verteilnetze werden durch die neue Lösung erleichtert.
Screenshot installierte Windkraft
Screenshot Redispatch

(BEE Energiewenderechner)
Unterstützt und begleitet wird das Projekt von mehr als 300 Akteuren der Energiewirtschaft aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Verwaltung, darunter Projektierer, Betreiber, Hersteller, Finanzierer, Verteilnetzbetreiber, Landesenergieagenturen, Landesministerien, Institute und Wissenschaftler und über 40 Verbände.
Der Energiewenderechner hilft beim optimalen Ausbau Erneuerbarer Energien und der bedarfsgerechten Planung regionaler Netzinfrastruktur. So entsteht Strom dort, wo er gebraucht wird, regional vor Ort in Bio-Qualität. Die Hoch- und Höchstspannungsnetze werden entlastet. Teuren Redispatch ersetzen wir durch zielgerichtete Vorausplanung. Denn „Redispatch ist letztlich nichts anderes als die Manifestation fehlender Vorausplanung„, sagt Matthias Stark zu Recht, denn „Wer Wirkungen versteht, kann besser planen.“
Auch für die Bürger:innen vor Ort ist der Energiewenderechner interessant. Er zeigt konkret, welche Auswirkungen das nächste geplante Windrad, der Stromspeicher oder auch ein neues KI-Rechenzentrum auf den Strommix in der Region haben wird. Gemeinsam lässt sich so diskutieren, wohin die Reise geht und wie eine erfolgreiche Energiewende vor der eigenen Haustür gelingt. Durch den BEE-Energiewenderechner klappen Planung und Kommunikation der Energiewende jetzt noch besser und am besten gleich mit einer Tasse heißem Kaffee.
