Bilanz, Umsatz, Restbudget

Nein, ihr seid nicht im BWL Kurs gelandet. Es geht immer noch um Klima, CO₂ und die Erderwärmung. Immer noch verbrennen wir Öl, Kohle und Gas. So setzen wir fossilen Kohlenstoff frei, der Millionen Jahre unter der Erde sicher eingelagert war, und pusten ihn als CO₂ in die Luft. Zusätzliches CO2 entsteht bei der Zementherstellung oder durch die Abholzung von Wäldern. Gleichzeitig nehmen Wälder, Moore sowie Ozeane CO₂ auf und bei der Verrottung von Pflanzen entsteht CO₂ und Methan.  Das wird schnell unübersichtlich. Eine CO₂-Bilanz schafft Überblick

Einschub

Eigentlich meinen wir damit die Kohlenstoff-Bilanz, denn entscheidend sind die Kohlenstoff Atome. Je nach Ort, taucht Kohlenstoff unterschiedlich auf. In Pflanzen wird er in Kohlehydrate verbaut (CnH2nOn), in Öl/Kohle/Gas sind des Kohlenwasserstoffe (CnH2n+2), im Gestein sind es Karbonate (z.B. CaCO₃)  und in der Luft eben Methan (CH₄) oder CO₂. In der Literatur zählt man daher meist nur die Kohlenstoffmasse. Wir zählen CO₂. Aus dem Chemieunterricht erinnern wir uns an die Atomgewichte. Kohlenstoff hat 12, Sauerstoff 16.

Aus 12 Tonnen Kohlenstoff (C) werden so 12 + 2*16 = 44 Tonnen Kohlendioxid (CO₂). Kohle wird durchs Verbrennen schwerer und wird dabei dennoch leicht wie Luft? Scheint paradox, ist aber so. Ich schweife ab. Nachfolgend rechnen wir lediglich in CO₂ Masse. Es ist keine Rechnung in CO₂-Äquivalenten. Die stärkere Wirkung von Methan sowie andere Treibhausgase sind in dieser Bilanzierung nicht berücksichtigt.

CO₂ Bilanz

Wir produzieren CO₂ aus Verbrennung von Öl/Kohle/Gas und Industrieprozessen.  Dazu kommt CO₂ aus der Abholzung von Wäldern, trockengelegte Moore, Waldbrände, Bodenerosion und Humusverlust, zusammengefasst als LULUCF (Land Use, Land Use Change & Forestry). All diese Emissionen sind menschengemacht. Rund die Hälfte davon werden durch natürliche Senken wieder aufgenommen, konkret durch unsere Ozeane, sowie durch Pflanzen per Photosynthese. Untereinander geschrieben ergibt sich:

Weltweite CO₂-Bilanz 2025Mrd. t
Fossile Emissionen & Industrie+ 35,9
LULUCF Emissionen (Abholzung, trockene Moore, etc.)+ 5,1
Aufnahme durch Land und Pflanzen− 8,8
Aufnahme durch Ozeane− 11,7
Zunahme in der Atmosphäre+ 20,5

Umsatz

Unsere 40 Gigatonnen pro Jahr sind nicht das einzige CO₂ im Umlauf. Insgesamt binden Pflanzen jedes Jahr 138,8 Gigatonnen CO₂ aus der Luft. Gleichzeitig stirbt fast ebenso viel Pflanzenmasse auch wieder ab, spätestens wenn im Herbst die Blätter fallen. So werden 130 Gigatonnen CO₂ wieder freigesetzt. Die Differenz von 8,8 Gigatonnen haben wir in unserer Bilanz eingetragen.

Auch die Ozeane setzen riesige Mengen CO₂ um und nehmen jedes Jahr 91,7 Gigatonnen auf. Das CO₂ löst sich im Wasser und es entsteht Kohlensäure. Doch Kohlensäure in Wasser hält nicht lange. Das merkt jeder, der sein Sprudelwasser in die Sonne stellt. 80 Gt CO₂ setzen die Weltmeere jedes Jahr wieder frei. Die Differenz von 11,7 Gt steht in unserer Bilanz.  Gerade dieser Teil sorgt für zusätzlichen Ärger. Kohlensäure im Wasser klingt nach schönen Blubberblasen. Doch Korallen und einige Fischarten reagieren empfindlich auf die Veränderung,, ein Thema für einen anderen Text.

Ein Stausee

Durch natürliche Kreisläufe werden jedes Jahr gigantische 1.500 Gigatonnen CO₂ umgewälzt. Der Mensch verursacht gerade mal 3% davon. Also ist doch alles in Ordnung und der menschliche Einfluss zu vernachlässigen?  Leider nicht.  Unser Anteil bringt den natürlichen Kreislauf entscheidend aus dem Gleichgewicht.

Als Analogie stellen wir uns einen Stausee vor, der ist beinahe voll. Aus dem Oberlauf läuft Wasser in den Stausee, 1.500 Liter pro Minute. Gleichzeitig lässt der Stausee Wasser ab in Unterlauf, wiederum genau 1.500 Liter/Minute. Klingt nach viel Wasser, ist in sich jedoch stabil. Jetzt kommt der Mensch und pumpt zusätzlich Grundwasser in den See. Das sind zwar nur 40 Liter pro Minute, doch der Abfluss bleibt unverändert. So füllt sich der Stausee langsam aber stetig und der Wasserspiegel steigt jede Minute um 40 Liter. Was wird als nächstes passieren? Warten wir, bis der Stausee überläuft und das Tal überschwemmt? Oder hören wir lieber auf, Dinge hochzupumpen, die besser unter der Erde bleiben?

Restbudget

Die Kohlenstoff Kreisläufe sind gut erforscht und und in aufwendigen Simulationen detailliert modelliert. Daher wissen wir sehr genau, welche CO₂ -Menge wie viel Erderwärmung zur Folge hat. Wollten wir unter 1,5 Grad bleiben, liegt unser verbleibendes CO₂ Budget bei bei 170 Gigatonnen (Stand Januar 2026). Mindestens 40 Gigatonnen davon verbrauchen wir dieses Jahr. Bereits 2030 werden wir unser Restbudget für 1,5° überziehen und die Grenze stabilen Klimas überschreiten. Spätestens dann leben wir klimatechnisch auf Kredit.

Dennoch fördern wir weiter Öl, bauen Gaskraftwerke und leisten uns Privatflieger und steuerbefreites Kerosin. Vielleicht stehen wir auf den zusätzlichen Kick und das Risiko?   Wer kennt es nicht. Man sitzt in der Achterbahn. Die Fahrt ist rasant und aus dem Looping geht es direkt in die Steilkurve. Da schneidet der Sitznachbar den Gurt durch, damit die Fahrt auch spannend bleibt.

Für 1,7 Grad bleiben uns 525 Gigatonnen Restbudget. Beim aktuellem Verbrauch reicht das bis 2038. Ohne massive Änderungen werden wir auch diese Grenze reißen. Die regelmäßige Überschwemmung des Ahrtals, jährliche Trockenlegung des Rheins, Waldbrände in ganz Europa Felsstürze an der Zugspitze und ein paar andere schöne Dinge gibt es gratis dazu.

Für 2,0 Grad verbleiben 1055 Gigatonnen. Diese werden wir beim heutigen Stand bis etwa 2050 verblasen, irreversible Klimakipppunkte inklusive und damit auf Jahrhunderte hinaus Way of no return.

Oder aber, wir bauen Windkraft, PV und Speicher schneller aus, treiben die Elektrifizierung voran, verbauen weniger Beton und reduzieren ein wenig unsere Dienst- und Urlaubsflüge. So können wir unsere Emissionen stoppen. Wenn wir dann global noch ein paar Flächen von Energiepflanzen und Viehfutter freiräumen, sie renaturieren und Moore wieder vernässen, gewinnen wir zusätzliche CO₂-Senken und damit ein Plus für unsere Bilanz. Gesunde Natur, mehr Raum für Insekten, Wildtiere und Biodiversität gibt es gratis dazu. Dann könnten wir es schaffen, unser Klima im Zaum zu halten und unseren Kindern doch ein Stück bewohnbaren Restplaneten hinterlassen zusammen mit einer heißen Tasse Kaffee.

Quellen

 

Jetzt Newsletter abonnieren

Klima ist wichtig? Dann trage dich hier ein und erhalte jeden Sonntag den neuesten Text per E-Mail...

Tut gut, ist kostenfrei und jederzeit kündbar
Es gelten die Datenschutzbestimmungen.

Jetzt Newsletter abonnieren

Klima ist wichtig? Dann trage dich hier ein und erhalte jeden Sonntag den neuesten Text per E-Mail...

Tut gut, ist kostenfrei und jederzeit kündbar
Es gelten die Datenschutzbestimmungen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert