
Der Mensch macht sich breit auf unserem kleinen Planeten und verursacht dabei weltweit große Schäden. Umwelt- und Klimaschäden kümmern keine Staatsgrenzen. Schadstoffe verteilen sich global. Saurer Regen, Tschernobyl und das Ozonloch haben dies eindrucksvoll gezeigt. Früh wurde klar, die großen Umweltfragen brauchen global koordinierte Anstrengungen. 1987 wurde im Montreal-Protokoll ein weltweites Verbot von FCKW beschlossen. Seitdem regeneriert sich die Ozonschicht wieder. Bis heute ist dies ein Musterbeispiel für erfolgreiche weltweite Zusammenarbeit.
Nur ein Jahr später gründeten die Vereinten Nationen 1988 das Intergovernmental Panel on Climate Change, kurz IPCC. Der IPCC ist das wissenschaftliche Gremium der Vereinten Nationen für den Klimawandel, eingedeutscht der „Weltklimarat“. Seine Aufgabe ist die Zusammenstellung der aktuellen Klimaforschung für Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft, NGOs und anderen.
Auftrag
Der IPCC betreibt selbst keine Forschung und erstellt keine Studien, sondern trägt vorhandene Forschungsergebnisse zusammen zu einer aggregierten Gesamtsicht. Daraus formuliert er Empfehlungen und Handlungsoptionen. Dabei beschränkt sich der IPCC nicht auf menschengemachten Klimawandel, sondern berücksichtigt Klimawandel in jeglicher Form. Ergebnis der Arbeit sind die Assessment Reports (AR), die alle sechs Jahre erscheinen.
Assessement Reports
Jeder Report besteht aus den Sachstandsberichten von drei Arbeitsgruppen und einer Zusammenfassung
- WG I Naturwissenschaftliche Grundlagen,
- WG II Folgen, Anpassung und Verwundbarkeit
- WG III Minderung des Klimawandels
- Zusätzliche Sonderberichte
- SYR Synthesebericht, die Zusammenfassung von I – III und den Sonderberichten
Jeder dieser Teile besteht wiederum aus einer Summary for Policy Makers (SPM), der Technical Summary (TS) für Nerds und dem vollständigen Bericht.
Menschengemacht…
Die zentralen Ergebnisse zum menschengemachten Klimawandel haben sich über die Jahre stark entwickelt.
AR1 (1990)
„Thus the observed increase could be largely due to this natural variability; altematively this variability and other human factors could have offset a still larger human-induced greenhouse warming.“
Somit könnte der beobachtete Anstieg weitgehend auf diese natürliche Variabilität zurückzuführen sein; alternativ könnten diese Variabilität und andere menschliche Einflüsse eine noch stärkere, vom Menschen verursachte Treibhauserwärmung kompensiert haben.
(AR1 1990, Seite 53)
AR2 (1995)
„Nevertheless, the balance of evidence suggests that there is a discernible human influence on global climate.“
Dennoch legt die Gesamtheit der Belege nahe, dass ein erkennbarer menschlicher Einfluss auf das globale Klima vorliegt.
(AR2, 1995, Seite 32)
AR3 (2001)
„There is new and stronger evidence that most of the warming observed over the last 50 years is attributable to human activities.“
Es liegen neue und stärkere Belege dafür vor, dass der größte Teil der in den letzten 50 Jahren beobachteten Erwärmung menschlichen Aktivitäten zugeschrieben werden kann.
(AR3, 2001, Seite 16)
AR4 (2007)
„Most of the observed increase in global average temperatures since the mid-20th century is very likely due to the observed increase in anthropogenic greenhouse gas concentrations.“
Der größte Teil der seit der Mitte des 20. Jahrhunderts beobachteten globalen Erwärmung ist sehr wahrscheinlich auf den Anstieg der vom Menschen verursachten Treibhausgaskonzentrationen zurückzuführen.
(AR4, 2007, Seite 13)
AR5 (2013)
„It is extremely likely that human influence has been the dominant cause of the observed warming since the mid-20th century.“
Es ist äußerst wahrscheinlich, dass der Mensch die Hauptursache der seit der Mitte des 20. Jahrhunderts beobachteten Erwärmung ist.
(AR5, 2013, Seite 33)
AR6 (2021–2023)
„Human activities, principally through emissions of greenhouse gases, have unequivocally caused global warming… “
Menschliche Aktivitäten haben, vor allem durch den Ausstoß von Treibhausgasen, eindeutig die globale Erwärmung verursacht…
(IPCC, AR6, Summary for Policymakers, Seite 4)
AR7 ?? (für 2028–2030 geplant)
„Ups…“
Wir hatten euch gewarnt. Macht’s gut und danke für den Fisch…
(not written yet)
Der Prozess
Die Entstehung der Reports folgt einem klaren und transparent dokumentierten Prozess. Dieser umfasst unter anderem Nominierung der Autoren und mehrstufige Review Prozesse. Am AR6 waren 783 Autoren beteiligt, 66.000 Quellen wurden ausgewertet und 199.000 Kommentierungen im Review berücksichtigt.
Alle Formulierungen sind bewusst gewählt. Beispielsweise hinter den Variationen von „likely“ stehen genau definierte Wahrscheinlichkeiten, festgelegt im Uncertainty Guide:
- Likely: 66% – 100% Wahrscheinlichkeit
- Very likely: 90% -100%
- Extremely likely: 95% – 100%
- Virtually certain: 99% – 100%
- Unequivocally: zweifelsfrei.
Geld
Das IPCC finanziert sich durch den IPCC Trust Fund über freiwillige Beiträge der 195 Mitgliedsländer sowie die World Meterological Organisation WMO und das UNO Umweltprogramm UNEP. Aus diesem Budget werden Organisation und Verwaltung bezahlt. Funfact: Die Autoren der Reports werden dafür nicht bezahlt. Sie machen ihre Arbeit ehrenamtlich.
Fazit
Die Assessment Reports des IPCC gehören zu den weltweit am intensivsten wissenschaftlich begutachteten und öffentlich diskutierten Dokumenten. Obwohl das IPCC keine eigene Forschung betreibt, genügen seine Berichte höchsten wissenschaftlichen Standards. Der Entstehungsprozess ist klar geregelt und weitgehend transparent: Entwurfsfassungen, eingegangene Kommentare sowie die Antworten der Autorenteams werden vollständig dokumentiert und veröffentlicht. Das daraus entstandene Material ist ebenso umfangreich wie umfassend.
Selbst die Zusammenfassung der Zusammenfassung, d.h. die Summary for Policy Makers of the AR6 Synthesis Report bleibt noch anspruchsvolle Lektüre. Ob da alle Politiker mitkommen? Ich hoffe, sie lesen es dennoch gründlich, gerne mit einer guten Tasse Kaffee. Wer es noch kürzer will, liest zumindest die Headline Statements und die Präsentation:
Our choices will reverberate for hundreds, even thousands, of years.
(AR6 Presentation, Page 16)
Das ist dann knapp länger als eine Tasse Kaffee.