Holzheizung

Noch ist es Sommer. Doch Winter is coming und mit ihm ein Thema, das nicht nur Holz spaltet. Die Rede ist von Kaminfeuer und Feuerstellen.

Bald ist wieder die Zeit der kalten Herbsttage und im Wohnzimmer ein gemütliches Kaminfeuer. Für viele ist es der Inbegriff vorweihnachtlicher Gemütlichkeit. Warum auch nicht, denn Heizen mit Holz ist schließlich klimaneutral… oder etwa nicht?

Beim Verbrennen kann Holz nur CO₂ freisetzen, das der Baum vorher per Photosynthese der Luft entzogen hat. Der Gedanke ist verführerisch. Doch was zunächst klingt, wie der perfekte nachhaltige Kreislauf, zeigt bei genauerem Hinsehen große Haken.

Heizen mit Kaminholz passt für einsame Berghütten ohne Stromanschluss mit großem wilden Wald vor der Tür. Dort gibt es genug Bruchholz und wenig Möglichkeiten, es anders zu verwenden. Doch Holzöfen sind längst ein Massenphänomen. Etwa 15 Millionen Kamine und andere Feuerstätten gibt es in Deutschland. Dazu gehören auch die Pelletheizungen.

Alles Holzreste?

Allein die Privathaushalte verbrennen 2020 rund 27,4 Mio(Umweltbundesamt PDF, Seite 29) Festmeter Holz. Noch mehr Holz landet in Blockheizkraftwerken und Kraftwerken für feste Biomasse, alles zusammen 59,9 Mio Festmeter. Solche Menge erhält man nicht aus Holzresten, denn Bruchholz macht nur etwa 20% einer Holzernte aus. Wollte man so viel Energieholz bei der Holzernte gewinnen, müsste man jedes Jahr knapp 9.000 km²bei 335 m³ Gesamtholzmenge pro Hektar Wald dafür roden. Dann aber hätten wir schon nach 12 Jahren aber keinen Baum mehr in Deutschland stehen. Unser Feuerholz stammt demnach auch aus anderen Ländern und/oder aus hochwertigem Stammholz. (Disclaimer Ein Teil des Brennholzes entsteht zusätzlich aus Sägeresten des Sägewerks, z.B. Holzpellets. Die genannten 12 Jahre sind daher ein worst case.)

Kaskade

Die Verbrennung dieser Holzmengen produzieren jedes Jahr in Deutschland rund 45 Mio t CO₂. Das sind 7% unserer gesamten Emissionen. Im Angesicht rasanter Erderwärmung, Hitzewellen, Dürren und trockenen Flüssen stellt sich die Frage, wie wir Holz sinnvoller verwenden können. Holz ist wertvoll und gleichzeitig ein knapper Rohstoff. Zum Verbrennen ist es viel zu schade.

Cartoon Feuerbestattung (c) Ralph Ruthe
(c) Ralph Ruthe

Für die optimale Nutzung von Rohholz empfiehlt das Umweltbundesamt ein Kaskadenprinzip in mehreren Stufen:

  1. 🏡 Konstruktions- und Bauholz (Balken, Bretter, Dachlatten)
  2. 🪑 Nach der Nutzung Wiederverwendung für andere Holzwerkstoffe, OSB-Platten, Spanplatten.
  3. ♻️ Recycling alter OSB- und Spanplatten zu neuen Spanplatten.
  4. 🔥 Verbrennung von für nicht mehr nutzbares Altholz.
  5. ⚡ Dabei Erzeugung von Wärme & Strom

So wird aus Holz eine Kohlenstoffsenke für viele Jahre und Jahrzehnte, statt eines schnellen Abbrennens am Winterabend.

Auch ist die Verbrennung im eigenen Kamin wenig effizient. Die Verbrennung erfolgt in den seltensten Fällen optimal/vollständig.  Feinstaub, Stickoxide, Lachgas, Methan, Kohlenmonoxid und ein paar andere Schadstoffe sind die Folge. Wer an Wintertagen im Ort spazieren geht, riecht schnell, welche Nachbarn mit Holz heizen. Auch die Wärmeausbeute ist beim Kamin geringer durch die unvollständige Verbrennung und große Abwärme, die durch den Schornstein entweicht.

Blockheizkraftwerke

Optimale Holzverbrennung ist eine Aufgabe für professionelle Blockheizkraftwerke und Biomasseanlagen. Die sind zwar kaum so gemütlich, haben jedoch einen höheren Wirkungsgrad als jeder Kamin. Dazu liefern sie gleichzeitig Strom und Wärme und dank guter Filteranlagen kann man im Ort die Luft weiterhin frei atmen.  Wollten wir Klimaschutz ernst nehmen, würden wir darüber hinaus mehr Anlagen auf Pyrolyse umstellen und als dauerhafte CO₂-Senke nutzen.

Muss ich jetzt meinen Kaminofen rausreißen oder die Pelletheizung wieder abbauen? So weit würde vorerst nicht gehen. Der Kaminofen hat viele Nachteile, doch man selbst hat in der Hand, wie oft man ihn nutzt und wie viel Holz man zum Schornstein rausjagt. Tipps zur Nutzung von Holzöfen bieten die Leitfäden „Wenn, dann richtig„, „zehn goldene Regeln“ oder „So geht’s richtig„.

Eine Pelletheizung ist nicht optimal, läuft aber wenigsten ohne Öl und Gas. Vielleicht baut man zusätzlich im Hauptraum kostengünstig eine Split Klimaanlage ein. So kann man im Sommer mit PV-Strom kühlen und im Winter einen Teil der Pelletverbrennung durch die klimafreundliche Luft-Luft-Wärmepumpe ersetzen.

Auch langfristig wird die Holzheizung nicht ganz verschwinden. Bei jeder Holzernte und jeder Verarbeiten entstehen Holzabfälle wie Äste, Rinde, Sägemehl oder Schwarzlauge, die man nur noch „energetisch verwerten“ kann (ein beliebter Euphemismus von Recycling-Betrieben für Verbrennung). Auch in Zukunft werden wir also Holz verbrennen und für echte Abfallstoffe das ist auch ok. Für die optimale Nutzung mit dem besten Wirkungsgrad erfolgt die Verbrennung in professionellen Anlagen mit Abgasfilterung und Kraft-Wärme-Kopplung. Bevorzugt laufen diese Anlagen dann während kalter Dunkelflauten, wenn Strom und Wärme besonders gebraucht werden.

Dabei bleibt auch noch Holz übrig für ein gelegentliches Kaminfeuer für den besonders gemütlichen Abend im Kreise der Liebsten und einer heiße Tasse Kaffee.

Quellen

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2 Kommentare zu „Holzheizung“

  1. Gerne vergessen werden die zusätzlichen Kosten für einen (getrennten) Schornstein und dessen regelmäßige Reinigung. Auch muss das Holz herbeigeschafft werden – umso teurer, je besser vorgerichtet (geschnitten, gespalten, getrocknet, abgelagert). Und irgendwie muss auch das warme Wasser bereitet und abgelegene Räume geheizt werden. Schon vor 15 Jahren hätte mich ein guter Ofen mit Wassertasche 10.000 Euro gekostet und nochmal 10.000 Euro für einen getrennten Außenkamin. Bei meinen 300 Euro Heizkosten im Jahr kann ich dafür 60(!) Jahre mit der Wärmepumpe heizen. Also ja, wenn man sowas hat, dann nutzt man es vielleicht weiter – trotz der hohen Betriebskosten.
    P.S. Gerne mehr Dialoge in „klimadialoge“. Schönen Sonntag!

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