Energiegenossenschaft

Früher kam Strom aus wenigen großen Kraftwerken, riesigen Anlagen. Kaum jemand käme auf die Idee, sich so einen Koloss als DIY-Projekt in den Garten zu zimmern. Entsprechend war Stromproduktion das Geschäft weniger großer Konzerne und Stadtwerke.

Heute hingegen entsteht Strom dezentral durch tausende Windräder und Millionen PV-Anlagen in allen Größen. Jede:r kann Teil der Energiewende werden dank eigener PV-Anlage auf Balkon, Hausfassade oder Dach. Wirklich jede:r? Nicht alle haben den Luxus eines sonnigen Balkons oder gar eines eigenen Daches. Auch lässt sich nicht jedes Dach sinnvoll mit PV aufrüsten und selbst wenn man ein eigenes Grundstück direkt am Deich besitzt, übersteigen die Kosten für ein eigenes Windrad oft die persönliche Kreditlinie.

Auftritt Energiegenossenschaft.

Für eine schnelle Energiewende brauchen wir mehr Tempo beim Aufbau von Windkraft und PV. Doch so manche Standorte sind für Große Investoren zu klein und als einzelnes Projekt uninteressant und Energiekonzerne sind weder für agiles Tempo noch für schnelle Innovation bekannt. Hier steigen lokale Energiegenossenschaften ein. Sie bringen die Energiewende in die Kommunen vor Ort. Dort bauen und betreiben sie kleinere, mittlere und teilweise auch größere Energieanlagen oft mit engem regionalen Bezug. Energiegenossenschaften bieten Strom vom freundlichen Windrad aus der Nachbarschaft – regional produziert und natürlich bio und erneuerbar.

Trend

Die EU unterstützt diese Form der dezentralen Energiewende. Sie hat das Ziel ausgerufen, eine Energiegemeinschaft in jeder Kommune über 10.000 Einwohner. Auch der Bund fördert Bürgerenergie gezielt. Bisher wurde die Zielsetzung nur teilweise erreicht.

Dennoch sind Energiegenossenschaften ein Erfolgsmodell. Mittlerweile gibt es über tausend allein in Deutschland. Andere Quellen listen sogar 3.800 Genossenschaften auf von sehr kleinen Gruppen bis großen überregionalen Vereinigungen.

Finanzierung

Die Finanzierung der Stromanlagen läuft über ein genossenschaftliches Modell, ähnlich wie Crowd Funding. Bürger:innen erwerben jeweils kleine Anteile, entweder an einer konkreten Anlage oder an der Genossenschaft insgesamt. Dafür erhalten sie günstigen Strom und/oder einen Anteil am erzielten Gewinn.

Die Projekte reichen dabei von der einfachen PV-Anlage auf dem Dach über Freiflächen-PV und Batteriespeicher bis hin zum Windrad oder kleineren Windparks. Auch Ladesäulen, Wärmenetze und andere Projekte sind im genossenschaftlichen Modell möglich, gleichwohl weniger verbreitet.

Der produzierte Strom wird an die Mitglieder verkauft werden und/oder über die Strombörsen direkt vermarktet.  Wer ein freies Dach oder eine freie Fläche besitzt, kann diese an die Gemeinschaft verpachten und so von der Energiewende profitieren, ohne sich mit den Untiefen des Strommarktes direkt auseinanderzusetzen.

Netzdienlich

Durch den regionalen Bezug wird Strom vermehrt dort produziert, wo er auch gebraucht wird. Entsprechend sparen wir Kosten für überdimensionierte Stromleitungen, quer durch die Republik. Eigentlich müsste man dezentrale Energiegenossenschaften allein dafür schon entlohnen.

Leider geben die Netzbetreiber diesen Vorteil nicht an die Kunden weiter und verlangen ungerührt die vollen Netzentgelte ab dem ersten  Meter, obwohl das EU-Recht zum Energy sharing es anders vorsieht. Traditionell sind die Netzbetreiber den großen Stromkonzernen verbunden, oft durch Beteiligungsstrukturen, trotz der Interessenskonflikte und anderslautender gesetzlicher Regelungen.

Entsprechend schwer machen die Netzbetreiber den Einstieg für die kleineren Betreiber. Dennoch bieten Energiegenossenschaften häufig Kostenvorteile und sei es nur, weil ihre Verwaltungsstrukturen schlanker sind und Teile der Arbeit oft ehrenamtlich erfolgen. Ihre Arbeit zielt nicht auf Gewinnmaximierung, sondern auf gute Stromproduktion. Gewinne werden direkt reinvestiert oder an die beteiligten Mitglieder ausbezahlt.

Fazit

Eine Mitgliedschaft in der lokalen Energiegenossenschaft gibt es oft schon für wenige Euro pro Jahr. Damit kann sich heute fast jede:r in die Transformation einbringen, dabei gleichzeitig von fairen Strompreisen profitieren und so Teil der Energiewende werden. Denn Energiewende ist wie Kaffee trinken – andern zusehen ist auch mal nett, aber schön wird es erst, wenn man selber mitmacht.

Links

Jetzt Newsletter abonnieren

Klima ist wichtig? Dann trage dich hier ein und erhalte jeden Sonntag den neuesten Text per E-Mail...

Tut gut, ist kostenfrei und jederzeit kündbar
Es gelten die Datenschutzbestimmungen.

Jetzt Newsletter abonnieren

Klima ist wichtig? Dann trage dich hier ein und erhalte jeden Sonntag den neuesten Text per E-Mail...

Tut gut, ist kostenfrei und jederzeit kündbar
Es gelten die Datenschutzbestimmungen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert