
Ursprünglich hielt ich Strompreise für ein kurzes Thema. Jetzt sind es doch wieder viele Beiträge geworden, oder wie eine Freundin beim Klassentreffen zu mir sagte: „Kurze Antworten kannst Du immer noch nicht.“ Touché.
Strompreise sind ein zweischneidiges Schwert. Hohe Strompreise fördern Investitionen in Erneuerbare Energien und effizientere Geräte. Gleichzeitig entsteht heute nichts ohne Energie und hohe Energiekosten führen damit zu Preiserhöhungen in allen Branchen. Hinzu kommen Stromspeicher, die nur rentabel sind, wenn die Strompreise regelmäßig schwanken.
Unsere Strompreise teilen sich in die drei Blöcke
- Beschaffung, Erzeugung, Vertrieb
- Netzentgelte, Transport inkl. Zusatzkosten für Redispatch, Redundanz und Backup-Kraftwerke
- Steuern & Abgaben, die zumindest indirekt wieder uns allen zu Gute kommen
- Der versteckte Block der EEG-Umlagen, die seit 2023 direkt vom Bundeshaushalt übernommen werden.
Stromhandel
Der Stromhandel selber ist komplex und vielseitig. Der Spot Markt der europäischen Strombörse schafft es regelmäßig in die Berichterstattung wegen negativer Strompreise oder wegen dem ungewohnten Merit Order Prinzip. Viel seltener liest man vom langfristigen Strommarkt mit Power Purchase Agreements PPA und Futures oder den direkt verhandelten Over the Counter Geschäften, obwohl dieses etwa 75% des Marktvolumens ausmacht. Fast will man meinen, Medien berichten lieber über Aufreger statt über relevante Themen, aber das wäre in Zeiten von GNTM und Dschungelcamp ja undenkbar.
Netzentgelte
Ebenso unübersichtlich sind die Netzentgelte. Durch die Erneuerbaren Energien muss unser Stromnetz umgebaut werden (Wir erinnern uns an die Fußballfans der Regionalliga). Dabei ist einiges unklar. Wie viel Netzausbau braucht es wirklich? Welcher Teil davon entsteht tatsächlich durch die Erneuerbaren? Welcher Teil kommt durch verschleppte Investitionen, die man lieber in Boni und Dividenden umgewandelt hat? Warum brauchen wir extrem teure Erdkabel statt günstiger Überlandleitungen?
Strompreiszonen sowie eine bundesweit abgestimmte Gesamtstrategie zur Energieversorgung könnten hier Milliarden sparen. Doch bevor wir eine strukturierte und effiziente Standortentwicklung betreiben, schreit irgendjemand „Planwirtschaft“ und alle zucken zurück. Wenn Worte so erschrecken, dass man Inhalte verdrängt…
Strompreise
Besondere Vergünstigungen gibt es für die Großindustrie sowie produzierendes Gewerbe, Land- und Forstwirtschaft. Details dazu gab es letzte Woche beim Industriestrom.
Durch Erneuerbare Energien ist unser Strom günstiger geworden. 30ct/kWh muss heute niemand mehr zahlen. Private Stromkunden finden günstige Stromtarife über die Vergleichsportale. Wallbox und Wärmepumpe erhalten als „netzdienliche Verbraucher“ oft Sondertarife. Auf Antrag gibt es Nachlass auf Netzentgelte gemäß §14a EnWG Modul 1 & 3. Diese muss man jedoch aktiv erfragen.
Wer seinen Verbrauch gut steuern kann, wählt einen dynamischen Tarif. Als Kompromiss gibt es fix getaktete Nachtstromtarife. Für beides ist ein Smart Meter erforderlich. Darum kümmert sich meistens dein neuer Stromanbieter. „Vergleich macht reich“ und ein passender Stromtarif spart leicht 20% der Stromkosten. Dies gilt insbesondere, wenn man sich bisher gar nicht um seinen Stromtarif gekümmert hat und deshalb in der völlig überteuerten Grundversorgung steckt.
Selber machen
Wer noch mehr sparen will, holt sich eine eigene Solaranlage, ideal mit zusätzlichem Batteriespeicher. Balkonkraftwerke gibt es schon für kleines Geld, die Anschaffung rechnet sich schnell. Größere Installationen auf dem Dach sind ebenso lukrativ. Dank Leasing Angeboten brauchen diese kein Eigenkapital und amortisieren sich über die reduzierte Stromrechnung. In der App schaut man dann jeden Sonntag, wie viel Geld und CO₂ man schon durch eigenen Strom gespart hat. Anschließend genießt man seinen heißen Kaffee, natürlich mit den Klimadialogen.
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