
Nicht vergessen: Am 06.11. bin ich im Main-Tauber-Kreis…

Kaffee bereit? Es geht los…
Wir müssen reden. Nicht nur über die Fakten, denn die sind bekannt und eindeutig: Wir fördern Öl, Kohle und Erdgas, um es anschließend zu verbrennen. Damit pusten wir Kohlenstoff in die Atmosphäre der für Millionen von Jahren unter der Erde sicher verwahrt war. Dieses zusätzliche CO₂ im Kreislauf reflektiert Wärmestrahlung auf die Erdoberfläche und heizt unseren Planeten auf. bisher um knapp 1,5° gegenüber der vorindustriellen Zeit.
„Human activities, principally through emissions of greenhouse gases, have unequivocally caused global warming… “
Menschliche Aktivitäten haben, vor allem durch den Ausstoß von Treibhausgasen, eindeutig die globale Erwärmung verursacht…
(IPCC, AR6, Summary for Policymakers, Seite 4)

Das sind die Fakten. Doch Fakten allein überzeugen nicht. Menschen sind nicht rein rational und handeln nicht nur faktenbasiert. Wir alle haben Gedanken und Vorstellungen. Die haben wir liebgewonnen und die wollen wir nicht loslassen. Würden Fakten ausreichen, wäre die Klimawende längst vollzogen unsere Ernährung wäre überwiegend vegan und am Bahnhof bräuchte es keine Raucherbereiche mehr.
Eindruck
Wie schnell wir selbst bei gutem Willen einen falschen Eindruck bekommen, zeigen einfachste Beispiele. Unsere Wahrnehmung führt uns oft in die Irre, unsere Intuition ist nicht verlässlich. Schau kurz auf dieses Bild. Was zeigt es?


Die Felder A und B haben die gleiche Farbe. Glaubst Du mir das? Zweifelst Du? Hat man erst mal einen falschen Eindruck, ist er nicht leicht zu korrigieren.
Die eigene Einschätzung kann trügen. Dies gilt auch beim Klimawandel. Klimawandel ist schwer fassbar und widerspricht unserer Intuition und die Wahrheit ist unangenehm. Sich auf abstrakte Studien zu verlassen und nach diesen Ergebnissen rational zu handeln, fällt nicht immer leicht. Gleichzeitig werden wir durch Desinformationenskampagnen der Ölindustrie vorsätzlich in die Irre geführt. So bilden sich verhärtete, aber halt falsche Meinungen.
Timing
Um meine Meinung zu ändern, muss ich etwas Neues lernen. Um etwas Neues zu lernen, muss ich zunächst in der richtigen Stimmung sein. Der Klimawandel aber ist erschreckend, der macht mir Angst und unter Angst lerne ich nichts. Für eine sachliche Diskussion und Erkenntnisgewinn, braucht es zuerst eine entspannte Lernstimmung.
Eine Lösung anzubieten wird nur Erfolg haben, wenn dein Gegenüber für eine Lösung bereit ist. Manchmal müssen Menschen sich zuerst aufregen und dann abregen. Erst danach sind Menschen bereit für Lösungen. Beispiele dafür kennen wir alle: „Mein Partner hat Schluss gemacht.“ – „Du findest bestimmt einen neuen. Melde Dich bei Tinder an.“ Richtige Lösung – falscher Zeitpunkt. Besser wäre: „Ich hole das Bier und dann erzähl.“
Das gilt auch für Diskussionen im Büro oder der Politik. Kommt deine Lösung zu früh oder zum falschen Zeitpunkt, wird sie abgelehnt, weil alle noch mit Ärgern oder der Problem Analyse beschäftigt sind. Zusätzlich gilt, wer eine Idee schon einmal abgelehnt hat, tut sich anschließend noch schwerer, die Idee später gut zu finden, denn dafür müsste er seine letzte Entscheidung ja umkehren und ggf. einen Fehler einräumen.
Daher warte ab mit Lösungsvorschlägen. Gib den anderen Menschen Zeit, sich auf eine Lösung einzulassen. Menschen wollen nicht überzeugt werden. Sie wollen verstanden werden.
Die andere Sicht
Auch wenn das Verhalten anderer unlogisch erscheint. Im Kopf des Anderen ergibt sein Vorgehen Sinn. Alle Menschen sind überzeugt, sie hätten Recht.

© Therese Waltersdorff
Erst wenn ich den Blickwinkel des anderen verstehe, kann ich daraus ein neues Zielbild schaffen. Dieser Lernprozess und damit auch jede Lösung braucht Zeit. Kaum jemand kann eine neue Information (die seiner Meinung widerspricht) aufnehmen und diese gleich anwenden. Das gilt nicht nur für Klimaleugner sondern auch für Politiker und Entscheidungsträger.
Formuliere positiv
Lösung funktionieren am besten als positives Zielbild. Gerade Klimaschutz formulieren wir oft als Verbote. Du sollst kein Fleisch essen. Du sollst kein Flugzeug fliegen. Du sollst keine Ölheizung einbauen. Verbote jedoch schaffen Ablehnung, Verneinungen stressen unser Gehirn. „Nicht anfassen!“ versteht unser Gehirn nur schlecht. Eltern kleiner Kinder wissen das. Besser funktionieren positive Formulierungen, wie „Bitte Abstand halten.“
Ein Pilot wird nie durchsagen: „Wir erwarten schlechtes Wetter, aber machen Sie sich keine Sorgen, es droht keine Gefahr“. Da hören wir nur „schlecht, Sorgen & Gefahr“ und der Wodka-Konsum an Bord steigt umgehend. Geschulte Piloten formulieren positiv: „Wir umfliegen ein Tiefdruckgebiet, damit Sie auch weiterhin eine ruhige Flugreise genießen können.“
Jede Verneinung, jedes Verbot erzeugt zunächst ein Bild. Dieses Bild verfängt in den Gedanken, und dann sollst Du dieses erzeugte Bild wieder wegwerfen. Das will ich doch gar nicht. Ich habe mir das Bild ausgemalt. Da bin ich stolz drauf. Das gebe ich nicht wieder her. Das gilt auch im Klimaschutz: „Hört auf, Öl zu verbrennen“. Feuer machen ist eines der urmännlichsten Grundbedürfnisse. Doch was macht der Klimaaktivist? Der will mit das wegnehmen und Fleisch und Fliegen will er mir auch noch verbieten. Das schafft Renitenz, Ablehnung und Revolte.

Ein Weg…
Da braucht es besseres Marketing und Klimaschutz kann so viel mehr:
- Nutze die Sonne. Dein Strom direkt vom eigenen Dach ist preiswert und macht Dich unabhängig.
- Der Wind weht kostenlos und er muss nicht durch die Straße von Hormus. Windkraft schafft Freiheit. Lieber Wind vom Deich als Öl vom Scheich.
- Die Wärmepumpe heizt zuverlässig zum günstigen Preis und ohne Öltank ist im Keller wieder mehr Platz und bessere Luft.
- Das E-Bike bringt mich schnell und sicher in die Innenstadt. Während der BMW im Stau steht und einen Parkplatz sucht, bin ich schon beim Shoppen.
Formuliere positiv. Baut keine Mauern oder Verbote. Zeige mir Wege und ein Ziel und natürlich eine Tasse heißen Kaffee.
