Mein Strompreis

Netzentgelte, Steuern, Beschaffung & Vertrieb… und was habe ich davon?  Wie komme ich zu günstigem Strom?

Mit einem dynamischen Stromtarif kann man auch privat von niedrigen Börsenpreisen profitieren und Strom dann verbrauchen, wenn es besonders günstig ist. Doch im Alltag werden wohl nur Nerds und Männer mit Jagdfieber die Strompreiskurven beobachten, um den perfekten Zeitpunkt zum Laden des E-Autos abzupassen und um sich so ein paar preisgünstige Kilowattstunden zu „erlegen“. Massentauglicher sind passende Apps, denen ich sage: „Ich brauche mein Auto Montags bis Donnerstag um 6:30 Uhr vorgeheizt und mit Ladestand 70% oder höher, Freitags immer vollladen fürs Wochenende. Mach das und mach es billig.“ Hierfür gibt es mittlerweile Angebote von clever-PV, Tibber, OctopusEnergy, OStrom und anderen, die E-Auto, Wärmepumpe, eigene PV-Anlage, Speicher und/oder dynamische Strompreise optimal aufeinander abstimmen – natürlich auch mit KI.

In der App gibt man dann nur noch an, wann das Auto wieder fertig und wie voll es sein soll. Die Software kümmert sich dann darum, den Ladevorgang zum günstigsten Preis zu erledigen. Auch Wärmepumpen sind hier in Teilen flexibel, insbesondere wenn sie über einen Pufferspeicher verfügen. Bei günstigem Börsenstrom werden Wasser und Heizung stärker vorgeheizt. Bei Preisspitzen baut die Wärmepumpe zunächst den Wärmevorrat ab und reduziert vorübergehend den Stromverbrauch.

Noch attraktiver wird das Konzept mit eigenem Akkuspeicher und bidirektionalem Laden. Die Anbieter koppeln alle Akkus im Netz zu einem virtuellen Kraftwerk zusammen. Die Akkus werden bei niedrigen  Preisen geladen und bei Preisspitzen können sie den Strom ins Netz einspeisen und zusätzlich Geld verdienen. Das passiert automatisch im Hintergrund. Als Kunde bekomme ich davon nichts mit, abgesehen von einer ordentlichen Gutschrift auf der nächsten Stromrechnung. Das Potential ist enorm. Durch intelligente Steuerung reduzieren sich Stromspitzen im Netz und wir brauchen weniger Netzausbau. Der Ariadne Report sieht allein hier das Einsparungen von 192 Mrd €.

Besser als Durchschnitt geht immer

Klingt immer noch zu kompliziert? Für den Einstieg gibt es günstigen Strom noch einfacher. Wie viel zahlt ihr aktuell pro Kilowattstunde? Laut BDEW zahlen private Haushalte Stand 11/2025 im Schnitt 39 ct/kWh. Das ist extrem viel, zeichnet jedoch ein verzerrtes Bild. In diesen Durchschnittspreis fließen auch die Haushalte mit Grundversorgung. Diese greift immer, wenn man keinen Stromvertrag abschließt. Dann liefert der regionale Stromanbieter, a.k.a. Grundversorger, den Strom zum Grundversorgungstarif. Dies wiederum ist eine Schönfärberfloskel für „überteuerter Strom, für Menschen, die sich nicht drum kümmern“. Klingt nach einer Randgruppe? Etwa 25% aller Haushalte erhalten ihren Strom aus dieser Grundversorgung. Die genannten Durchschnittspreise sind damit etwa so sinnvoll wie eine Datenerhebung zu Lebensmittelpreisen an Tankstellen. Niemand muss diese Durchschnittspreise zahlen. Schließt ihr beim gleichen Grundversorger einen Stromvertrag ab, sinkt der Preis schnell auf 30 ct/kWh.

Hat man eine Wärmepumpe oder Wallbox, gelten diese als netzdienliche Verbraucher. Für diese gelten reduzierte Netzentgelte und damit günstigere Stromtarife über einen separaten Stromzähler. Die Preisdifferenz kann 5ct/kWh ausmachen. Auch ohne eigenen Stromzähler gibt es Vergünstigungen. Wer keinen eigenen Wärmepumpentarif abschließt, erhält vom Netzbetreiber eine pauschale Vergütung von bis zu 190 €. Diese erhält man ohne jede Gegenleistung, nur weil sich Wallbox und Wärmepumpe besonders netzdienlich verhalten könnten. Die Netzbetreiber sind daher zur Vergünstigung verpflichtet, selbst wenn sie die Geräte noch gar nicht steuern können. Manchmal muss man deutsche Regeln einfach lieb haben. Schreibt dafür euren Netzbetreiber an.

Preisvergleich

Euer Netzbetreiber ist vorgegeben. Bei der Wahl eures Stromanbieters aber seid ihr frei. Es lohnt ein Preisvergleich über die vielen Vergleichsportale. Hier findet man Tarife ab ca. 25 ct/kWh [Nachtrag: Für 53881 Euskirchen oder 70173 Stuttgart scheint Strom besonders teuer zu sein und kostet etwa 29ct]. Auch locken viele Anbieter mit Prämien für Neukunden. Durch Anbieterwechsel kann man so schnell hunderte Euro im Jahr sparen. Der Wechsel selber ist simpel und geht online. Kündigung, Ummeldung und alle Formalitäten übernimmt der neue Anbieter für euch.  Welche Strompreise kriegt ihr in eurem Wohnort? Schreibt Postleitzahl und Arbeitspreis in die Kommentare.

Wem regelmäßiger Preisvergleich zu viel Arbeit ist, der kann den Wechselpilot nutzen. Die Plattform übernimmt für euch jeden Anbieterwechsel und bucht euch automatisch stets in den günstigsten Stromtarif.

Auch eine freundliche Mail an den eigenen Stromanbieter kann helfen. Oft reicht ein kurzer Hinweis, dass der aktuelle Tarif nicht mehr konkurrenzfähig ist, um einen Preisnachlass zu erhalten. Schließlich verdienen langjährige Bestandskunden den gleichen Service wie Neukunden. Also fordert ihn ein.

Ein besonderes Modell für E-Autos bietet z.B. Octopus Energy mit dem Tarif Go. Dieser bietet feste Preise für zwei Jahre und besonders günstigen Preis in der Nacht. Das kannte man früher schon als Nachtstromtarif. Konkret zahlt man (je nach Postleitzahl) von 0:00 Uhr bis 5:00 Uhr nur 17,54 ct/kWh und 27,55 ct/kWh für den Rest des Tages. Mein E-Auto lädt jetzt immer ab Mitternacht. „Sprit“ für 100 km kostet so weniger als 3 €.

Ein Preisvergleich lohnt sich schnell und das gesparte Geld reicht für mehr als eine heiße Tasse Kaffee…

Disclaimer: Die Klimadialoge führe ich ehrenamtlich und unabhängig. Die genannten Stromanbieter und Tarife entspringen meiner willkürlichen Recherche. 

Jetzt Newsletter abonnieren

Klima ist wichtig? Dann trage dich hier ein und erhalte jeden Sonntag den neuesten Text per E-Mail...

Tut gut, ist kostenfrei und jederzeit kündbar

Jetzt Newsletter abonnieren

Klima ist wichtig? Dann trage dich hier ein und erhalte jeden Sonntag den neuesten Text per E-Mail...

Tut gut, ist kostenfrei und jederzeit kündbar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert