Hundert

Dies ist der einhundertste Text der Klimadialoge, ein kleines Jubiläum. 🎉 🥂  Hundert Texte voller Klimawissen und ein neuer Text jeden Sonntag zum ersten Kaffee. Dazu knapp 12.000 Kommentare, 30.000 Reaktionen und 850.000 Aufrufe allein in diesem Jahr, die meisten davon auf Facebook. Über diese Reichweite und die vielen inspirierenden Diskussionen freue ich mich besonders.

Entstanden ist alles aus einem mitgehörten Partygespräch im September 2024. Zwei Menschen unterhielten sich angeregt über E-Autos. Sie waren motiviert und engagiert dabei und diskutierten lebhaft, leider jedoch auf Basis völlig falscher, mindestens aber veralteter Fakten. Wie schade. Wo motivierte Menschen über Energiewende und Klimaschutz sprechen, sollten auch die richtigen Fakten und Zahlen schnell zur Hand sein. Das war die Idee und seitdem erscheinen die Klimadialoge jeden Sonntag zum ersten Kaffee. Also fast. Eigentlich kommt der Newsletter mitten in der Nacht, denn auch meine Mutter liest mit und die steht sehr früh auf.

In bester mansplaining-Manier starteten auch die Klimadialoge bei den bekannten Grundlagen:

1. Klimawandel ist real.
2. Wir sind die Ursache.
3. Er ist gefährlich.
4. Die Fachleute sind sich einig.
5. Wir können noch etwas tun.
6. Die Meisten wollen mehr Klimaschutz.

„Human activities, principally through emissions of greenhouse gases, have unequivocally caused global warming… “
Menschliche Aktivitäten haben, vor allem durch den Ausstoß von Treibhausgasen, eindeutig die globale Erwärmung verursacht…
(IPCC, AR6)

Die Situation ist eindeutig. Doch viele Klimaleugner verweigern sich bis heute der Faktenlage. Vorwiegend durch Cherry Picking“ reißen sie Einzelaussagen aus dem Kontext und malen sich eine Welt, wie sie ihnen gefällt.

Dabei nehmen die „Argumente“ der Leugner teilweise skurrile Züge an. Erst diese Woche schrieb ein Jens, vor 400 Millionen Jahren war es schon mal viel heißer.  Das mag ja sein, doch was hilft uns das heute?  Nennt mich egoistisch, aber ich hätte doch lieber einen Planeten, der für Menschen bewohnbar ist und nicht für Dinosaurier.   Liebe Klimaleugner, die heute wieder mitlesen: Was erwartest Du von deiner Vogel-Strauß-Taktik? Glaubt Du, der Klimawandel geht weg, wenn du nicht hinsiehst?  Das hat früher mit den Monstern unterm Bett geklappt. Spätestens bei der Matheklausur hat dieser Trick schon nicht mehr geholfen. 

Dabei haben wir alle Technologien, die wir zur Lösung brauchen. Diese sind sogar günstiger als das fossile System. Wer meckert, die Energiewende koste uns eine Billionen oder mehr, rechne kurz nach. Denn keine Energiewende kostet uns sehr viel mehr Geld.  80 Mrd. € zahlen wir jedes Jahr für Öl, Kohle und Gas. Geld , das wir im Wortsinne verbrennen und da sind die Klimafolgeschäden noch nicht mit eingepreist. Allein der Hitzesommer 2026 kostet Deutschland mindestens 36 Mrd. €.


(Grafik von Achim B.C. Karpf, Daten von Greenpeace.de)

Dazu kommen nochmal 65 Mrd € umweltschädliche Subventionen, die wir uns schon seit 2018 leisten. Das sind 181 Mrd. € allein in diesem Jahr. Da hat man eine Billionen Euro schneller zusammen als jeden Bausparvertrag.

Dann doch lieber nachhaltige Investitionen in Erneuerbare Energien. Dafür bekommen wir unseren Strom vom Deich statt Öl vom Scheich, Wärme aus dem Luft statt Abgasrauch und leise Autos ohne Gestank. Obendrein bliebe mit den gesparten Milliarden noch jede Menge Geld für Infrastruktur, Bildung und sozialen Ausgleich. Auch das wäre doch ein Grund zu feiern – eine Energiewende, die Geld spart, unsere Unabhängigkeit stärkt und auch noch Geld freisetzt für Bildung & mehr.

Gleichzeitig nimmt die Energiewende weltweit Fahrt auf. Die Erneuerbaren wachsen schneller als jede andere Energiequelle je zuvor. Mittlerweile liefern die Erneuerbaren mehr Strom als Kohle weltweit. In Deutschland gehen jetzt Batteriespeicher im Gigawattbereich ans Netz und übertreffen alle Erwartungen.  Die Afrikanischen Länder installieren 100.000 PV-Module – pro Tag. Das sind gute Nachrichten und ich nutze diese und den 100. Klimadialog als guten Anlass, heute den Kaffee durch Sekt zu ersetzen. Auf eine gute und schnelle Klimawende.

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2 Kommentare zu „Hundert

  1. Hallo Holger,

    Danke für dein tolles Engagement. Ich lese deine Zeilen gerne. Weil ich wider besseren Wissens immer wieder einen großen Fußabdruck hinterlasse, bringen sie mich zum Nachdenken, ohne dass du moralisierst.
    Herzlichen Glückwunsch zum hundertsten Geburtstag!

    Gabriele

    1. Vielen Dank für die netten Worte.
      Der CO2-Fußabdruck ist ein Begriff der fossilen Industrie. Er wurde bewusst eingeführt, um die Menschen vom notwendigen Systemwechsel abzulenken. Selbstverständlich ist das eigene Verhalten und der persönliche Konsum relevant und jede:r kann und muss einen eigenen Beitrag zur Klimawende leisten. Doch selbst bei perfektem nachhaltigen Verhalten kann niemand in Deutschland klimaneutral leben, so lange eine fossile Energieministerin lieber Gaskraftwerke als Batteriespeicher fördert.

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