Ungleichheit

Wir sind 8,3 Mrd Menschen, und die Zahl steigt. Das wäre zu viel für wirksamen Klimaschutz, hört man da oft. Doch diese Aussage ist nicht nur zynisch, sondern auch sachlich falsch. Die globalen Emissionen verteilen sich sehr ungleich auf die Weltbevölkerung und die Erde kann durchaus 8 und auch 10 Mrd Menschen nachhaltig ernähren.  Schwierig wird es erst, wenn Menschen auf täglich Schnitzel, eigene SUVs, Sommerurlaub in Jamaica,  Luxusvillen und Privatjets bestehen.

Wohlhabende Menschen verursachen deutlich höhere Emissionen. Auto, Urlaubsreisen, Konsumgüter, Coffee-To-Go und Fast Fashion sind ein großer Luxus, den sich die meisten Menschen weltweit gar nicht leisten können. Auch stetig wachsende Wohnungen für eine zunehmende Anzahl Single-Haushalte steigern den Flächenverbrauch und gleichzeitig die Emissionen für Bauen und Heizen.

Reichtum

Reiche und Superreiche übertreffen dies nochmal. Luxusvillen, Zweit- und Drittwohnsitz, eigener Fuhrpark, Privatjets, und Luxusjachten bringen alle ihren CO2-Fußabdruck mit. Entsprechend ungleich verteilen sich die Emissionen nach Einkommen.


(Quelle Oekom.de, ausführlich bei oxfamfrance.org)

Hinweis: Dabei sind die Treibhausgase der Reichen und Superreichen nicht akkurat zu ermitteln, schließlich führen sie darüber keine Bücher. Die zitierten Studien nutzen Daten verschiedener Länder zu Haushalten der (finanziell) unteren und mittleren Schichten. Daraus extrapolieren sie ihre Ergebnisse dann nach Vermögen und Konsum. So entstehen Verzerrungen. Zwar kostet eine Highclass-Designer-Jeans leicht das Hundertfache einer Primark-Hose, doch sie verursacht nicht zwingend hundertfache Emissionen. Auch Schmuck, Kunst und anderen Luxusgüter kosten viel Geld, doch die Emissionen steigen nicht proportional zum Preis. Die Angaben zu Emissionen der (finanziell) obersten 0,1-1,0% sind daher mit gewisser Skepsis zu begegnen. Demgegenüber stehen Privatjets, Luxusvillen und ein massiv extensiver Lebensstil.

Superreich

Dennoch sind die Reichen und Superreichen für den Großteil der weltweiten Emissionen verantwortlich und der Abstand wird größer. Geld und Vermögen neigen zu Klumpenbildung. Immer mehr Geld und Vermögen konzentriert sich auf wenige Menschen weltweit. Dies ist ein großes Problem, nicht nur für CO2-Emissionen.

Heute leisten sich Jeff Bezos & Co Weltraumtrips. So blasen Milliardäre für wenige Minuten Privatvergnügen mehr Emissionen raus, als ärmere Familien in ihrem gesamten Leben. Allein mit dem Energiebedarf für den Bau seiner Luxusjachten und Privatjets könnte Jeff Bezos wohl ganze Dörfer jahrelang mit Strom versorgen.

CO2-Preis & Steuern

Ein CO2-Preis allein kann dieses Problem nicht lösen. Wo Ärmere und Mittelstandsfamilien aufs Geld schauen (müssen), entwickeln CO2-Preise eine Lenkungswirkung und nachhaltige Alternativen setzen sich schneller durch.

Doch Reiche und Superreiche fragen nicht nach Benzinpreis oder Heizkosten, schließlich hat hat man Geld im Übermaß. Umso grotesker ist es da, dass für Privatjets, Jachten und andere Überflussgüter keine Luxussteuer erhoben wird und auch Kerosin immer noch nicht besteuert wird. Gleichzeitig wird Arbeit bei uns stärker besteuert (bis zu 42%) als Vermögen (25%). Mit Gerechtigkeit ist das kaum zu erklären. Doch auch in dieses Thema kommt Bewegung, Martyna Linartas oder Marlene Engelhorn  und viele andere sprechen sich für eine bessere Verteilung der Lasten ein. Unterstützung erhalten Sie dabei auch von Millionären, z.B. den Patriotic Millionaires (USA) oder den Millionaires for Humanity.

Finanzen

Mindestens so stark wie der direkte Konsum des Jet Sets wiegen ihre Emissionen durch Finanzinvestments. Millionären und Milliardären gehören große Firmenanteile und damit auch die Verantwortung über die Emissionen dieser Firmen. Durch nachhaltige Finanzanlagen können Reiche (und auch Privatanleger) ihren CO2-Handabdruck verbessern und ihr Geld in klimafreundliche Firmen und Geschäftsmodelle investieren. Die Renditen solch nachhaltiger Investments sind heute mindestens gleich gut.

Fazit

Also können wir uns zurücklehnen und sollen Klimaschutz den Reichen und Superreichen überlassen?  Nein. Selbst die Superreichen können den Karren nicht alleine aus dem Dreck ziehen. Ebenso wenig kann China alleine die Emissionen eliminieren. Klimaschutz ist und bleibt eine weltweite Gemeinschaftsaufgabe und alle werden ihren Teil dazu beitragen.

Wenn du in Deutschland oder Umgebung lebst, gehörst Du – global gesehen – ziemlich sicher zu den reichen Menschen (Ein Singlehaushalt mit 1.000€ netto im Monat liegt im Weltvergleich bereits im oberen Viertel (vgl. How rich Am I). Deutschland produziert pro Kopf etwa doppelt so viel Emissionen wie der weltweite Durchschnitt – und da sind Temu-Einkäufe sowie Importe aus China  & Co noch nicht mit eingerechnet.

Entsprechend ist auch dein Einsatz gefragt:

  1. Falls Du Milliardäre im Freundeskreis hast, sprich mit ihnen direkt.
  2. Falls nicht, nutze den Wirkkreis, der Dir zur Verfügung steht.
  3. Prüfe deinen Konsum und nutze deine direkten Möglichkeiten
  4. Nutze zusätzlich deine Stimme und werde laut für Klimaschutz.

Die sechs F sind deine wichtigsten Hebel: Fliegen (& Fahren), Fleisch, Fummel und  Finanzen. Dazu noch Funken und Flagge zeigen. Auch wenn die Beiträge des Einzelnen unterschiedlich groß sind, so sind sie dennoch alle notwendig. Auch dein Handeln ist wichtig. Wenn Du darüber hinaus einen Freunde, Kollegen, Bekannten mitnimmst, ist dein Beitrag schon doppelt so groß. Wenn Du zusätzlich deine Politiker und andere Entscheider aktivierst, potenziert sich die Wirkung umso mehr.

Quellen

 

 

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